Dreischwesternkette in Liechtenstein (02.07.-04.07.2021)

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15 WanderfreundInnen mit der BG Leonberg corona-konform zu Besuch bei 3 Schwestern

 
Verfasser: Torsten Rüger    -    Fotos: Teilnehmer

 
15 Wanderbegeisterte unternehmen Anfang Juli 2021 eine 3-tägige Tour ins Rätikon. Coronabedingt gibt es diesmal besonders viel zu organisieren und in einem virtuellen Vortreffen abzustimmern. Deshalb brennt Tourenleiterin Gisela im Vorfeld ein wahres Mailfeuerwerk ab. Am Freitag, 02.07.21 treffen wir in unseren 4 Fahrgemeinschaften um 13:00 Uhr am Bahnhofsparkplatz von Frastanz in Vorarlberg ein. Die Wetterprognose verspricht viel Sonnenschein für die ersten beiden Tage, am letzten Tag droht ab mittags Regen.
Freitag: Für heute steht nur der gemütliche Aufstieg zum Naturfreundehaus Feldkircher Hütte an, für dessen ca. 700 Höhenmeter wir etwa 2 Stunden brauchen. Vom Bahnhof geht es vorbei am Frastanzer Brauhaus, dann durch den Ort und anschließend der Sonne entgegen allmählich steiler bergauf. Aufgrund der ergiebigen Regenfälle in den Tagen davor kommt beim Wandern durch Wald und Wiesen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit beinahe Dschungelfeeling auf und wir geraten arg ins Schwitzen. Der Weg führt über eine Almebene und durch Amerlügen, wo wir uns an einer Weggabelung für die kürzere und steilere von zwei alternativen Routen zur Feldkircher Hütte entscheiden. In einigen Kehren führt sie im Wald bergauf, bevor wir gegen 15:30 Uhr unsere Tagesziel erreichen. Genau rechtzeitig für die Frage aller Fragen: „Nehmen wir lieber Apfelstrudel oder lieber Topfenstrudel?“ Die Gruppe ist sich da nicht einig. Ein paar Teilnehmer sind offenbar noch nicht ausgepowert und brechen deshalb kurz darauf zu einer Runde oberhalb der Hütte auf. Der Großteil von uns widmete sich aber lieber einer Runde „Frastanzer Gold“. Danach beziehen wir unsere 2-Bett-Zimmer (!) und lassen uns das Abendessen auf der Terrasse schmecken.
Samstag: Am nächsten Morgen genießen wir das Frühstücksbuffet in der Morgensonne auf der Terrasse. Es folgt das obligatorische Gruppenbild und pünktlich um 8:15 Uhr brechen wir zur Königsetappe der Tour auf, das erste Highlight immer vor Augen - die Drei Schwestern. Moderat geht es über Vorderälpele bergauf. Westlich von uns ist der Alpstein mit dem Säntis gut zu sehen. Ab Hinterälpele steigt der Weg steiler an und führt schweißtreibend bis zum Sattel vor dem Gipfel: Zeit für eine Vesperpause! „Nur für Geübte“ - so ist der nun folgenden Abschnitt des Weg ausgewiesen: Ein drahtseilversicherter, ausgesetzter Steig führt erst durch ein Felsentor und dann zur ersten - noch niedlichen - Eisenleiter. Oben geht es in leichter Kletterei weiter über Stiegen aus Aststücken, die zwischen die Felswände geklemmt wurden. Durch einen Kamin kommen wir schließlich bei der zweiten - nicht mehr ganz so niedlichen - Eisenleiter an. Nachdem auch diese erklommen ist, gelangen wir rasch zum Hauptgipfel der Drei Schwestern (2.053 m) mit herrlicher Aussicht auf Alpstein und Rheintal, Bodensee und Rätikon. Leider bietet der Gipfel nur wenig Platz und daher setzen wir unseren Weg mit dem Abstieg in leichter Kletterei nach Süden fort. Am Grat entlang erreichen wir den Garsellakopf (2.105 m). Auch hier bietet sich wieder ein toller 360-Grad-Ausblick und endlich die Gelegenheit, die Energiereserven aufzufüllen. Dem Grenzverlauf zwischen Österreich und Liechtenstein folgend geht es schließlich erst leicht bergab und dann in einigen Kehren hinauf zum Kuhgrat, mit 2.123 m der höchste Punkt der Tour. Wir setzten unseren Weg fort und biegen kurz darauf in den Fürstensteig ein, der spektakulär in die Felswand geschlagen wurde. Besonders schmale Stellen wurden mit Hilfe von Holzbrücken entschärft und die im Winter beschädigten Passagen rechtzeitig vor unserer Tour wieder in Stand gesetzt. Dieser Abschnitt ist ganz klar noch mal ein Highlight am Ende der Etappe, denn kurz darauf erreichen wir die Bushaltestelle in Gaflei.
Die Terrassenbar am dort gelegenen Clinicum Alpinum hatte vor kurzem wiedereröffnet. Um sie zu unterstützen, gönnen wir uns einen Espresso und ein wohlverdientes „Quöllfrisch“ aus dem nahegelegenen Appenzell. Mein Fitnesstracker weist für diese Etappe aus: 14,6 km, 1.090 Höhenmeter, 5:21 Stunden, 2.100 kcal!
Gisela verlegt unsere Busreservierung kurzerhand um eine Stunde nach vorn, und so werden wir bald darauf bei Regen nach Triesenberg chauffiert bis vor den Eingang zum Hotel Kulm, unserer Luxusherberge für die folgende Nacht. Für das geplante und 600 m höher gelegene Berggasthaus Sücka gibt es in dieser Saison keinen Pächter.
Sonntag: Der dritte Tag beginnt mit einem Bustransfer nach Steg, von wo wir die Wanderung fortsetzen wollen. Hier teilt sich die Gruppe: Sechs TeilnehmerInnen haben mit leichten Blessuren vom Vortag zu kämpfen oder wollen es gemütlicher angehen. Zusammen mit Gisela fahren sie mit dem Bus weiter bis Malbun, was die Wanderzeit um eine Stunde verkürzen wird. Wir anderen 9 fühlen uns kurz nach dem Ausstieg in Steg nach Patagonien versetzt: Wolkenverhangener Himmel über uns und eine Lamaherde vor uns. Der Pfad führt am Wiesenrand bergauf und kurz darauf abwechslungsreich parallel zur Straße durch den Wald. Allmählich blitzen auch ein paar Sonnenstrahlen durch die Bäume. Offenbar macht uns die Begeisterung unaufmerksam, denn nach einer Bachüberquerung hört der Weg einfach auf. Gemeinsam geling es uns, Gisela zu ersetzen: Bergfex Rudi bringt seinen Spürsinn ein und Holger hat den Track auf sein Handy geladen - so stapfen wir kurz querfeldein und finden rasch zurück zum Weg. Bald darauf erreichen wir Malbun mit seinem Skigebiet und machen oberhalb des Ortes an einer Kapelle Rast. Anschließend nehmen wir die Fahrstraße, die sich leicht bergauf zum Talende hinzieht. Vor dem Talkessel macht sie eine 180-Grad-Wende nach links und führte weiter bergauf. Das Murmeltier im Hang unter uns lässt lediglich einen müden Pfiff ertönen - so richtig gefährlich wirken wir wohl nicht. Kurze Zeit später biegen wir nach rechts ab auf einen Pfad, der zwischen Latschenkiefern bis zum Sareiser Joch auf 2.000 m führt. Von dort steigen wir über blühende Almwiesen ostwärts hinunter zur Ferienhaussiedlung „Nenzinger Himmel“ auf 1.370 m. Während des Abstiegs passieren wir die Landesgrenze zwischen Liechtenstein und Österreich und befinden uns nun wieder in der EU. Kurz vor dem Ziel holen wir die andere Gruppe ein, als diese im Wald eine Pause einlegt. So erreichen wir alle zusammen um 12:30 Uhr den Gasthof „Gamperdona“ im Nenzinger Himmel. Just-in-time, um unter den Sonnenschirmen Schutz vor dem einsetzenden Regen zu finden. Diesmal heißt es: „Lieber Apfelstrudel oder lieber Kaspressknödel?“ Auch hierzu gehen die Meinungen auseinander - aber beides ist oberlecker und so lassen wir die Tour mit strahlenden Gesichtern ausklingen! Den langen Weg durch das Gamperdonatal hinaus nach Nenzing und weiter nach Frastanz wollen wir uns fahren lassen. Gisela hat es geschafft, den Busshuttle auf 14:00 Uhr vorzuverlegen. So treffen wir schon um 14:45 Uhr wieder bei unseren Fahrzeugen ein und treten kurz darauf die Heimreise an.
Danke an alle, dass wir so eine (wander-)lustige Gruppe waren. Danke auch an das Wetter, das sich im verregneten Corona-Sommer 2021 mal 3 Tage lang zusammengerissen hat. Und danke insbesondere an Tourenleiterin Gisela, die aufgrund der Coronasituation bei der Organisation der Tour Schwerstarbeit leisten musste und während der Tour mehrfach spontan Optimierungen am Plan vorgenommen hat. Es hat letztlich alles perfekt gepasst!

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