Pässe-Tour in den Bleichen Bergen (27.08.-02.09.2025)

von Bernd Schuh

Pässe-Tour in den Bleichen Bergen vom 27.8 bis 2.9.2025
6 Tage unterwegs auf dem Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 und um den Monte Pelmo

 

Text: Gisela Steiert
Fotos: Teilnehmer

 

Geplant war eigentlich die Fortsetzung unserer letztjährigen Wanderwoche auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 1 – diesmal von Alleghe bis Belluno. Allerdings hat eine Hüttenreservierung nicht funktioniert, sodass Gisela einen Plan B entwickeln musste. Der klingt allerdings auch vielversprechend.

Mittwoch – lange Fahrt in die südlichen Dolomiten
Ende August starten wir morgens zu zwölft in drei Fahrgemeinschaften von Stuttgart bzw. Leonberg. Mittags legen die einen eine Pause im hübschen Brixen ein und die anderen in St. Martin. Am späteren Nachmittag treffen wir uns eine Autostunde südlich von Cortina in Alleghe im Hotel Alle Alpi. Unsere Autos stellen wir teils schon jetzt auf einem öffentlichen kostenfreien Parkplatz etwas außerhalb ab.
Bei der Ankunft in Alleghe lassen die Aussicht auf den Bergsee und die steilaufragenden Berge Vorfreude aufkommen. Nach einem leckeren Abendessen mit Salatbuffet und einem Blick auf Wanderkarte und Wetterprognose für den nächsten Tag verteilen wir uns auf die Zimmer.

 

Donnerstag – anspruchsvoll und feucht zum Rifugio Tissi
Die ersten 500 Höhenmeter bis zur Mittelstation Piano di Pezze lassen wir uns von der Seilbahn abnehmen. Als wir dort oben starten wollen, beginnt es leider zu regnen. So holen wir unsere Regenausrüstung raus. Wegen der bescheidenen Wetter- und Sichtverhältnisse nehmen wir die direkte und viel kürzere Route. Zunächst steigen wir im Wald moderat auf, dann sehr steil und teils im nahezu weglosen Gelände. Auch eine stahlseilversicherte Passage muss gemeistert werden. Die Gruppe ist total motiviert und das Klettern macht großen Spaß. Bald erreichen wir den Lago Coldai, der sich zeitweise im Nebel versteckt. Die wohlverdiente Rast fällt wegen der ungemütlichen Kühle und Nässe ziemlich kurz aus.
Nun geht es im steten Auf und Ab zügig weiter. Mal regnet es mehr, mal weniger, und das eigentlich eindrucksvolle Civetta Massiv mit seinen hohen Felswänden lässt sich leider nur erahnen.
Gegen 15 Uhr erreichen wir ziemlich durchfeuchtet das Rifugio Tissi und wir freuen uns über Kaffee, Bier und die Wärme. Da die Hütte keine andere Möglichkeit bietet, nutzen wir unsere Zimmer als Trockenraum für die nassen Klamotten. Die Zeit bis zum Abendessen verbringen wir an den Tischen neben dem Ofen mit sehr lustigem UNO Kartenspiel und guter Unterhaltung. Glücklicherweise können wir – entgegen der ursprünglichen Einteilung – auch für das leckere Abendessen hier bleiben.

 

Freitag – Petrus Laune hat sich gebessert
Da es heute trocken ist, können wir die imposanten Berge mit ihren steilen Felswänden und -Türmen jetzt besser sehen und bestaunen. Nach einer Kaffeepause im Rifugio Vazzoler wandern wir - wieder mit einigen Aufs und Abs - an der Moiazza Gruppe entlang bis zum modernen Rifugio Carestiato. Juhu, unsere Freude über die Duschen ist groß. Das Abendessen an einem großen Tisch beschert uns ein tolles Gruppenerlebnis.

 

Samstag – jetzt beginnt Plan B
Auch heute ist es trocken und wir erfreuen uns einer guten Sicht auf die Umgebung. Lässig marschieren wir zunächst hinunter zum Passo Duran und legen in einer der beiden Hütten eine Kaffeepause ein. Statt wie ursprünglich geplant in Richtung Süden zum Rifugio Pramperet geht es jetzt erst mal ostwärts länger gemütlich durch den Wald. Doch dann wird es ziemlich anspruchsvoll und es gilt auch, eine Kletterstelle zu überwinden. Schließlich erreichen wir das Valle Pramper mit einer geteerten Fahrstraße, die sich talauswärts Richtung Norden ziemlich zieht. An einer Brücke teilt sich die Gruppe auf. Die einen wählen den direkten und kürzeren Aufstieg zum Rifugio Angelini Sora l‘Sass – wie sich bald zeigen wird mit einer steilen Kletterpassage. Wir anderen gehen erst mal noch weiter talauswärts und sind angesichts dunkler Wolken gespannt, wie sich das Wetter entwickelt. Während der Vesperpause an einem kleinen Rastplatz werden wir vom einsetzenden Regen überrascht. So packen wir schnell zusammen und machen uns an den langen und teils sehr steilen Aufstieg durch den Wald. Weil die Regenwolken in diesem engen Tal hängen bleiben und sich ausregnen, sind beim Erreichen der kleinen Hütte trotz Regenschutz alle ziemlich nass.
Belohnt für die Aufstiegsmühen werden wir mit einer familiären Hüttenatmosphäre und wir fühlen uns gleich sehr wohl. Daran kann auch das riesige Lager nichts ändern, in dem sämtliche Gäste schlafen. Beim Abendessen lernen wir, dass Polenta mit Käse hier in der Gegend ein sehr beliebtes Gericht ist. Es wird allerdings jedes Mal anders zubereitet und schmeckt immer wieder lecker. Die Nacht in dem riesigen Raum mit eng beieinander stehenden Stockbetten ist – wie in Massenlagern üblich - ganz speziell.

 

Sonntag – der Monte Pelmo wartet
Die Morgensonne zaubert draußen vor der Hütte eine wunderschöne Stimmung. Nach dem Frühstück machen wir uns an den teils steilen und anspruchsvollen Abstieg hinunter nach Forno di Zoldo. Das hübsche Bergdorf erreichen wir schneller als gedacht und genießen in der Pause ein Eis. Mit dem Bus geht‘s dann weiter hinauf zum Passo Staulanza (1.766m). Hier beginnt – als Ersatz für die Fortsetzung des Dolomiten-Höhenwegs Nr. 1 - unsere Umrundung des Monte Pelmo, einer mächtigen, gut 3000 m hohen Felsburg, die wir schon im letzten Jahr aus der Ferne bestaunten und die sich jetzt während der Fahrt hoch über uns auftürmt.
Vom Pass aus steigen wir erst mal wieder im Wald auf und queren dann eine lange Geröllflanke. Anders, als es unser Track vorsieht, halten wir uns mangels Abzweig direkt zum heutigen Pass links und kommen beim Rifugio Città di Fiume raus. Hier legen wir eine aussichtsreiche Pause ein, die einen in der Wiese oberhalb einer betriebsamen Wegkreuzung und die anderen auf der Hüttenterrasse.
Weiter geht’s danach zunächst auf einem Wirtschaftsweg, dem allerdings die Almwirtschaft arg zusetzt. So sind wir immer wieder stark gefordert, unfallfrei voranzukommen.
Es folgen lange Auf- und Abstiege, stahlseilversicherte Passagen und weitere lange Geröllfelder und wir genießen großartige Ausblicke, sowohl an der Forcella Forata - hier insbesondere Richtung Norden, wo wir im letzten Sommer unterwegs waren - als auch von der höher gelegenen Forcella Val d´Arcia, zu der die Pfade von beiden Seiten sehr steil hinauf führen. Der Abstieg gestaltet sich in der Folge auch dank teils großer Ausgesetztheit ziemlich anspruchsvoll und spannend. Diese sonnenverwöhnte Etappe ist für mich die interessanteste und aufregendste Etappe der ganzen Tour.
Der weitere Abstieg durch eine riesige Schuttflanke bis zum heutigen Quartier, dem Refugio Venezia in herrlicher Aussichtslage nach Osten und Nordosten Richtung Cortina, ist dann eher Fleißarbeit.
Wie üblich sollen wir auch heute gleich nach der Ankunft unser Essen aus einem großen Angebot auswählen. Später können wir in dem hellen Gastraum dank der großen Fenster den farbenfrohen und stimmungsvollen Sonnenuntergang bestens bewundern. Und auch heute genießen wir das Abendessen an einem großen Tisch, an dem wir alle den Tag gemütlich ausklingen lassen.

 

Montag – der südliche Teil der Monte Pelmo-Umrundung
Am vorletzten Tag starten wir  - zunächst wieder bei bestem Wanderwetter - in südwestlicher Richtung entlang der imposanten, zerklüfteten Südwände des Monte Pelmo, abgesehen von einigen Schlammpassagen sehr gemütlich und zuletzt wieder im Wald zurück zum Passo Staulanza. Hier kehren wir auf der Terrasse eines Hotels ein.
Weiter geht es dann im freien Gelände, zunächst durch Almen und schließlich wieder steil und steinig bis zum letzten Quartier, dem aussichtsreichen Refugio Coldai, das auch am Dolomiten Höhenweg Nr. 1 liegt.
Heute wollen wir den Lago Coldai bei Sonnenschein sehen. So steigen wir nach einer Kaffeepause mit leichtem Gepäck noch weiter auf bis zur Forcella Coldai. Das lohnt sich sehr, denn unter uns glitzert heute dank der Sonne ein traumhaft schöner Bergsee, der auch einige von uns  zum Schwimmen einlädt.
Den letzten Hüttenabend beschließen wir mit einem Glas Rotwein und einer kleinen Rückmelderunde.
Wie immer hat Gisela die Tour super organisiert und betreut, auch diesmal wieder unterstützt von Alex als Co-Leiter. Wir sind stolz auf die geleisteten Höhenmeter und darauf, dass wir die diversen alpinen Herausforderungen so gut gemeistert haben.

 

Dienstag – Abschied von einer großartigen Bergwelt
Am letzten Tag wartet nur noch der Abstieg bis zur Mittelstation oberhalb von Alleghe und je nach Geschmack entweder weiter hinunter zum Alleghe See oder die Fahrt mit der Seilbahn. Während der sechseinhalb-stündigen Heimfahrt haben wir dann viel Zeit, unsere Erlebnisse und Eindrücke nachwirken zu lassen.