Unterwegs im Karakorum der Schweiz

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Kurzbericht Führungstour im Zinaltal 2018

Ende August 2018 erleben neun Bergwanderer eine hochalpine Hüttentour im innersten Zinaltal im Wallis, das reich an 4000ern ist. Von Zinal nehmen wir den Bus zum Moiry-Gletscher und sind froh, dass wir nach einem Wolkenbruch dann wider Erwarten trockenen Fußes zur ersten Hütte aufsteigen können. Die Cabane de Moiry  (2.249 m) liegt vor der großartigen Kulisse des gewaltigen Moiry-Gletscherbruchs. Am nächsten Morgen geht’s bei schönem Wetter hinauf zum Col du Pigne (3.140 m). Von hier steigen wir teils sehr anspruchsvoll noch weiter in Richtung Pigne de la Lé (3.396 m). Schließlich stehen vier von uns auf dem Gipfel und sehen wegen der aufziehenden Wolken immerhin einen Teil der sogenannten Couronne Impérial, der Kaiserkrone, bestehend aus einigen 4.000ern, die sich um das wenig bekannte innerste Zinaltal gruppieren. Vom Sattel aus steigen wir in sehr anspruchsvollem, steilen und weglosen Gelände und die ersten Meter kettengesichert hinunter zur gemütlichen Cabane Petit Mountet (2.140 m) ab, vis à vis die Westseite des Weißhorns mit seinem Gendarm. Am dritten Tag steigen wir bei Nieselregen und leider ohne die erhoffte Aussicht auf die umliegende Gletscherwelt zur Cabane Grand Mountet (2.886 m). Immer wieder sind auch ketten- und stahlseilversicherte Passagen zu meistern. Da wir den ganzen Tag in Wolken unterwegs sind und von der dortigen gigantischen Szenerie leider überhaupt nichts sehen, zieht sich die Strecke über das Blockgelände bis zur Hütte arg in die Länge. Umso mehr lassen wir uns in der Hütte Kaffee und Kuchen schmecken, während draußen der Regen in Schnee übergeht. Trotz der nächtlichen Neuschneedecke machen wir uns am nächsten Morgen gemäß unserem Tourenplan an den Abstieg. Das Blockgelände lässt sich besser passieren als befürchtet. Vom Tal aus steigen wir – zunächst durch Wald- und Weidegelände und inzwischen bei etwas besseren Sichtverhältnissen – auf zur Cabane d’Arpittetaz (2.786 m). Sie wird von sehr netten ehrenamtlichen Mitgliedern der Sektion La Dôle betrieben, die neuerdings auf Wunsch für ihre Hüttengäste auch kochen. Die große Überraschung am nächsten Morgen: Es hat aufgeklart und wir genießen eine großartige Sicht auf Weißhorn, Zinalrothorn mit seiner Schulter, den Blanc de Moming und den Bessot und auf der anderen Talseite der Grand Cornier, alle winterlich eingehüllt. Der Aufstieg zum heutigen Übergang, dem Col de Milon (2.976 m), immer die grandiose Kulisse im Rücken, führt uns über eine hohe und teils sehr gratige Moräne und es ist Konzentration gefordert. Auch beim kettenversicherten, sehr steilen Abstieg vom Col. Drüben geht es länger hinunter in ein Hochtal und von hier hinauf zur letzten Hütte, der hochmodernen Cabane de Tracuit (3.250 m). Leider zieht es jetzt wieder zu, sodass uns die spektakuläre Aussicht erst mal vorenthalten bleibt. Beim Abendessen sind wir extrem amüsiert, als wir auf der fünften Hütte zum vierten Mal Spaghetti mit Tomatensauce serviert bekommen. Nach einer kürzeren Nacht im schönen Lager heißt es am sechsten Tag früh raus, denn heute steht das Bishorn (4.150 m) auf dem Programm. Leider halten sich die Wolken vom Vortag hartnäckig, so dass wir weder während des Aufstiegs noch auf dem Gipfel nicht die übliche Aussicht genießen können. Immerhin ist dort oben der Blick aufs imposante Weißhorn frei, und manchmal zeigen sich über dem Mattertal unter uns auch drei der Mischabel-Gipfel, nämlich Dom, Täschhorn und Alphubel. Zu unserer großen Freude klart es in der letzten Nacht  wieder auf. So zeigt sich immerhin zum Abschied und während des Abstiegs die ganze Pracht des inneren Zinaltals mit seinen Eisriesen, davor der immer noch angezuckerte Bessot. Nach recht mühsamen knapp  1.600 m Abstieg zurück nach Zinal lassen wir es uns auf der Sonnenterrasse eines Hotels noch mit einem leckeren Mittagessen und großartiger Aussicht auf unser Tourengebiet gut gehen, bevor wir die gut 6-stündige Heimreise antreten.

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